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Vögel 22.12.2016

Verschiedene Ziervögel zusammen halten – so klappt es mit der „bunten Mischung“

Bei vielen Heimvogelhaltern kommt irgendwann der Wunsch auf, nicht nur eine Art zu halten, sondern gleich mehrere. Wer dabei von Anfang an alle wichtigen Details beachtet, kann später viel Freude an seiner „bunten Truppe“ haben.

von Gaby Schulemann-Maier

Zu den am häufigsten gehaltenen Vogelarten gehören beispielsweise Wellensittiche, Nymphensittiche und Kanarienvögel. Wer sich mit einer dieser Arten sein Zuhause teilt, möchte vielleicht irgendwann eine zweite hinzugesellen – oder gar noch einige weitere. Dieses Vorhaben will gut geplant sein, damit die Tiere später tatsächlich miteinander harmonieren und kein Streit unter den Gefiederten aufkommt – denn das kann leider unter bestimten Umständen geschehen.

Um es gleich vorweg zu schicken: Bei der Vergesellschaftung verschiedener Vogelarten ist durchaus etwas Hintergrundwissen vonnöten und man kann sich leicht verunsichert fühlen. Doch wäre es schade, gleich zu Beginn zu kapitulieren, schließlich heißt es nicht umsonst, dass man an seinen Herausforderungen wächst. Und das gilt natürlich auch für Vogelhalter! Mitunter hilft es übrigens, sich ein wenig in die Tiere hineinzuversetzen, um zu verstehen, weshalb bestimmte Grundbedürfnisse erfüllt werden sollt

Vögel möglichst geräumig unterbringen

Wir Menschen kennen es selbst oft nur allzu gut: Verbringen wir ständig unsere Zeit mit einer Gruppe und können wir ihr nicht ausweichen, reagieren wir irgendwann sicher einmal gereizt. Bei den Ziervögeln ist es nicht anders. Sogar wenn man nur mehrere Tiere einer Vogelart hält, brauchen sie möglichst viel Platz, um sich nicht ständig gegenseitig zu bedrängen. Auch ein Vogel darf mal „mies drauf sein“ und seine Ruhe haben wollen – dann sollte er sich ein wenig zurückziehen können.

Von noch größerer Bedeutung sind großzügige Platzverhältnisse bei einer Vergesellschaftung verschiedener Vogelarten. Denn jede Vogelart hat ihre eigene Körpersprache und ihr ganz typisches Verhaltensrepertoire, das Individuen anderer Arten nicht immer voll und ganz verstehen oder auch nicht ständig aus nächster Nähe erleben wollen. Es gibt zudem einige Heimvogelarten, die sind  zumindest zu bestimmten Tageszeiten - eher ruhebedürftig. Würde man sie mit den nahezu ständig quirligen Wellensittichen oder Zebrafinken vergesellschaften, könnte das langfristig zu einer Gereiztheit führen, falls es keinen Platz zum Ausweichen geben würde.

Die wichtigste Voraussetzung für eine gemischte Vogelhaltung ist demnach, dass mindestens ein sehr großes Freiflugzimmer und eine große Voliere zur Verfügung steht. Bei manchen Artkombinationen sind sogar separate Käfige oder Volieren ratsam, damit die Tiere ausreichende Ruhemöglichkeiten haben.

Auf die Vogelgröße achten

Es sollte sich von selbst verstehen: Sehr große Heimvögel wie Aras sollten sicherheitshalber nicht mit zierlichen Arten wie Wellensittichen vergesellschaftet werden. Auch Amazonen oder Graupapageien und Wellensittiche passen in aller Regel nicht nur wegen ihrer stark unterschiedlichen Körpergröße schlecht zusammen. Kommt es zwischen „David und Goliath“ einmal zum Streit, gewinnt meist anders als in der biblischen Geschichte nicht David. Die größeren Vögel können mit warnenden Schnabelhieben dermaßen viel Schaden anrichten, dass diese unter Umständen nicht einmal besonders ernst gemeinten Bisse kleinere Ziervögel tödlich verletzen können – eine Erfahrung, auf die der Halter sicher verzichten möchte.

Das Temperament der Vogelarten berücksichtigen

Manche Heimvogelarten mögen zwar etwa gleich groß sein, doch ihr Temperament spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für das harmonische Zusammenleben. So kommt es beispielsweise zwischen Kanarienvögeln und Wellensittichen, die vergesellschaftet werden, leider gelegentlich zu handfesten Streitigkeiten. Die oft etwas aufbrausenden Wellensittiche können mit ihrem Schnabel gehörig austeilen, was die zarten, meist eher ruhigen Kanarienvögel nicht sehr gut vertragen.

Ebenso kann es zwischen den fast gleich großen Unzertrennlichen und Wellensittichen wegen ihres doch recht unterschiedlichen Charakters zu Reibereien kommen, wobei die Unzertrennlichen meist die Oberhand haben. Diese Artenkombination sollten vor allem Einsteiger in die Gemischt-Haltung deshalb lieber erst einmal nicht wählen.

Die ursprüngliche Heimat kennen

Sich ein wenig Zeit zu nehmen und darüber zu informieren, woher die wilden Verwandten der Heimvögel stammen, kann ausgesprochen hilfreich sein. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Vogelarten aus denselben natürlichen Lebensräumen miteinander zu vergesellschaften. So bewohnen beispielsweise Wellensittiche, Nymphensittiche und Zebrafinken in Australien die weitläufigen Wüstengegenden und harmonieren für gewöhnlich auch in der Gemeinschaftshaltung gut miteinander – genügend Platz natürlich vorausgesetzt!

Hinsichtlich ihrer Ernährung ähneln sie sich ebenfalls, wohingegen zum Beispiel südamerikanische Sittiche, deren wilde Verwandte in Dschungelgebieten leben, meist andere Ansprüche an die Ernährung haben. Zwar lassen sich die verschiedenen Futterzusammensetzungen mit entsprechendem Hintergrundwissen problemlos bereitstellen. Doch ist es für gewöhnlich einfacher, wenn die gemeinsam gehaltenen Vogelarten ähnliche Bedürfnisse haben. So kann man unter anderem vermeiden, dass zum Beispiel die „Naschkatzen“ unter den Wellen- oder Nymphensittichen ständig das Obst der südamerikanischen Schwarmgefährten verspeisen und davon übergewichtig werden. Hält man hingegen nur Arten zusammen, die nicht täglich eine große Portion Obst brauchen, kommt diese Gefahr gar nicht erst auf.

Keinen Nachwuchs großziehen lassen

Sogar unter ihresgleichen sind viele Heimvogelarten weniger verträglich, wenn sie sich fortpflanzen wollen oder gar Jungtiere im Nest haben. Artgenossen werden dann vehement verjagt, was insbesondere in kleinen Volieren zum Problem werden kann. Individuen anderer Vogelarten werden in der Nähe des Nestes noch weniger geduldet. Es kommt dann nicht selten zu heftigen Attacken, bei denen Blut fließt.

Vorzuwerfen ist den Vögeln dies nicht, denn es liegt in ihrer Natur, ihren Nachwuchs zu verteidigen. Selbst wenn die Vögel einer gemischten Gruppe in einer geräumigen Voliere untergebracht sind, ist es deshalb nicht ratsam, sie darin brüten zu lassen – sicher ist sicher. Falls ein Halter verschiedener Vogelarten doch einmal Nachwuchs von seinen gefiederten Schützlingen großziehen lassen möchte, sollten die Brutpaare während der Jungenaufzucht in separaten Käfigen oder Kleinvolieren untergebracht werden, damit es nicht zu Stress oder gar Verletzungen kommen kann.

Lernen von anderen

Einer der wohl wichtigsten Ratschläge für all jene, die gern in die Gemeinschaftshaltung verschiedener Vogelarten einsteigen möchten, ist der Austausch mit anderen Haltern. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, solche Kontakte zu knüpfen, darunter Züchtervereine, Vogelstammtische oder virtuelle Treffpunkte im Internet. Ideal wäre es, sich mit jemandem auszutauschen, der dazu bereit ist, seine Vogelhaltung vor Ort zu zeigen und zu erläutern. Dabei lassen sich meist viele interessante und wichtige Details in Erfahrung bringen, die neben einigen grundlegenden Dingen besonders wichtig sind.

Gut kombiniert für mehr Spaß

Wer sich von den Regeln nicht einschüchtern lässt, sollte die zu anderen Haltern geknüpften Kontakten außerdem nutzen und erfragen, welche Arten im individuellen Fall miteinander kombiniert werden können. Am besten werden die Platzverhältnisse ausführlich geschildert und dann kann es ans Aussuchen der gefiederten Mitbewohner gehen. So lassen sich beispielsweise die bereits erwähnten Wellensittiche mit Zebrafinken und/oder Nymphensittichen vergesellschaften. Auch Diamanttauben, die übrigens ebenfalls aus Australien stammen, harmonieren gut mit diesen Vogelarten.

Unter den größeren Arten, zum Beispiel den Kakadus und Amazonen, gibt es einige, die vergleichsweise gut mit anderen vergesellschaftet werden können. Dazu ist aber unbedingt eine Beratung erforderlich, weil diese Tiere alles andere als „Anfängervögel“ sind. Zudem gibt es ebenso einige empfindliche Arten, bei denen eine Gemeinschaftshaltung mit anderen Vögeln problematisch werden kann.

Sehr unterhaltsam kann die Gemeinschaftshaltung von Kanarienvögeln und anderen Finken sein, darunter zum Beispiel Reisfinken oder Schmetterlingsfinken. Darüber hinaus sind Muskatamadinen und Japanische Mövchen meist relativ verträglich. Es gibt also eine Reihe schöner und harmonischer Kombinationsmöglichkeiten, die dem Halter jede Menge Spaß an den hübschen gefiederten Mitbewohnern bringen, die alle auf ihre Weise einzigartig sind.


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