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Vögel 19.10.2017

© Gaby Schulemann-Maier

Heimvögel: Was der Kot über ihre Gesundheit verrät

So sehr sie ihre Vögel auch lieben, für die meisten Halter sind die Hinterlassenschaften ihrer gefiederten Lieblinge gewissermaßen ein lästiges, aber unumgängliches Übel. Doch ein Blick auf die „Häufchen“ kann dabei helfen, etwas über den Gesundheitszustand ihres „Verursachers“ herauszufinden.

Gastbeitrag von Gaby Schulemann-Maier, WP-Magazin

Unsere Heimvögel haben im Großen und Ganzen noch immer dieselben Instinkte wie ihre in freier Natur lebenden Vorfahren und viele andere Wildvogelarten. Sie sind beliebte Beutetiere diverser Fressfeinde, angefangen von Katzenartigen über Marderartige bis hin zu Greifvögeln. Diese Beutegreifer halten meist vor allem nach alten, schwachen oder kranken Beutetieren Ausschau. Für Vögel ist es deshalb überlebenswichtig, gesundheitliche Gebrechen so gut und so lange wie möglich zu verbergen. Sie sind die „geborenen Schauspieler“, was viele Tierärzte bestätigen können.

Verzweifelte Halter kommen mit einem extrem geschwächten Vogel in die Praxis und beteuern, der Schützling wäre von jetzt auf gleich so krank geworden und von der Stange gefallen. In Wahrheit ist es in vielen Fällen aber eher so, dass die Erkrankung schon viel früher vorhanden war, die Vögel sie aber überspielt haben, bis sie am Ende ihrer Kräfte waren. Sind Vögel erst einmal in diesem fortgeschrittenen Stadium einer Krankheit, ist es bedauerlicherweise nicht mehr in jedem Fall möglich, ihnen zu helfen, auch wenn man sofort einen Tierarzt aufsucht.

Umso wichtiger ist eine Früherkennung von Krankheiten. Im Idealfall wird bereits dann, wenn die Vögel die Symptome selbst noch überspielen können, ein gesundheitliches Problem erkannt. Bei dieser Früherkennung kann ausgerechnet der oft als so lästig empfundene Vogelkot helfen.

 

Beschaffenheit und Farbe beachten

Bei körnerfressenden Vogelarten wie zum Beispiel Wellensittichen, Kanarienvögeln und Zebrafinken ist der Kot vergleichsweise trocken. In einem Kothäufchen gibt es einen dunkleren Teil und einen hellen – letzterer ist gewissermaßen der Urin, der in aller Regel nicht sonderlich flüssig ist.

Zeigt sich der Kot plötzlich sehr feucht und matschig, könnte dies auf eine Erkrankung des Darms oder der Nieren hindeuten. Allerdings kann es auch nach dem Genuss sehr feuchter Frischkost – zum Beispiel Gurke oder Melone – vorübergehend dazu kommen, dass etwas feuchterer Kot als sonst abgesetzt wird. Innerhalb weniger Stunden normalisiert sich dies wieder, sofern keine Erkrankung vorliegt.

Ändert sich die Farbe des Kotes, ohne dass der Vogel zuvor etwas stark Färbendes wie zum Beispiel Karotte oder Rote Bete gefressen hat, ist dies ein möglicher Hinweis auf eine eventuell krankheitsbedingte Verdauungsstörung. Länger anhaltender grünlicher Kot ist sogenannter Hungerkot. Er wird abgesetzt, wenn die Vögel zu wenig fressen. Das wiederum kann auf eine Erkrankung des oberen Verdauungstraktes oder auf eine Darmerkrankung hindeuten. Dunkelroter Kot kann durch Beimengungen von Blut entstehen.

Finden sich im Kot unverdaute Körner, ist dies immer ein Alarmsignal. Es deutet auf eine schwerwiegende Erkrankung des Verdauungstraktes hin. Mitunter werden außerdem Teile oder gar ganze Würmer mit einer Länge von mehreren Millimetern ausgeschieden. Hierbei versteht es sich von selbst, dass eine Erkrankung vorliegt.

 

Verteilung auf dem Boden

Am besten schaut man morgens auf den Kot und überprüft, ob sich Auffälligkeiten zeigen. Sogar die Verteilung auf dem Boden verrät Einiges. Ein ruhig durchschlafender Vogel lässt seinen Kot über Nacht so fallen, dass er sich auf engem Raum konzentriert. Ist das Tier hingegen sehr unruhig, verteilen sich die Kotballen über eine größere Fläche. Unruhe während der Nacht kann auf Schmerzen oder einen Befall mit Parasiten hindeuten.

Kot fotografieren oder mitnehmen

Wer Veränderungen wie die oben geschilderten beobachtet, sollte sie fotografieren und die Fotos dem aufgesuchten Tierarzt zeigen. Oder aber man nimmt eine Kotprobe mit. Diese sollte im Idealfall frei von Sand sein. Transportieren lässt sich der Vogelkot in sauberen, kleinen Döschen oder in Frischhaltefolie.


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