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Vögel 18.07.2017

Gefahrenzone Küche

Beim täglichen Freiflug in der Wohnung von einem Zimmer zum anderen fliegen zu können, ist für Ziervögel meist ein Vergnügen. Für die Küche sollte aber aus Sicherheitsgründen gelten: Vögel müssen leider draußen bleiben.

von Gaby Schulemann-Maier

Dass es in der Küche auch gefährlich zugehen kann, hat wohl fast jeder schon mal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Eine unbedachte Bewegung und schon hat man sich am heißen Herd oder beim Herausnehmen der Pizza am Backofen verbrannt. Für Ziervögel besteht diese Verbrennungsgefahr ebenfalls. Erschwerend kommen noch heiße Kochdämpfe hinzu. Diese können beim durchfliegen zur tödlichen Gefahr werden.

Einerseits können die Tiere sich beim Durchflug  verbrühen und andererseits atmen sie die heiße Luft ein, was ihre empfindlichen Atmungsorgane schwer schädigen kann. Bei den Vögeln ist der Weg von der Nase bis in die Lunge und die Luftsäcke sehr viel kürzer als bei uns Menschen. Sie atmen außerdem öfter als wir, sodass die heiße Luft kaum abkühlt und in hohem Tempo wiederholt eingeatmet wird.
Auch kann es geschehen, dass ein Vogel, der durch heiße Kochdämpfe fliegt, ins Trudeln gerät und in den offenen Topf stürzt. Man mag sich im Detail nicht ausmalen, was dabei alles passieren kann. So viel sei aber gesagt: Die Verbrennungen oder Verbrühungen sind meist dermaßen gravierend, dass keine Rettung mehr möglich ist.

 

Es liegt was in den Luftsäcken

Neben heißem Wasserdampf gibt es weitere Gefahren für Ziervögel, die in der Küche in der Luft liegen können. Werden scharfe Gewürze angebraten, ziehen wir Menschen gern den Kopf weg – es brennt in den Augen. Atmen Vögel solche Ausdünstungen ein, können die empfindlichen Schleimhäute ihrer Atmungsorgane stark gereizt oder gar geschädigt werden.

Eine unsichtbare Gefahr geht von Anti-Haftbeschichtungen von Pfannen und Töpfen aus, die nicht den geltenden Bestimmungen entsprechen. Werden Pfannen nicht sachgemäß genutzt und überhitzen, kann es geschehen, dass bestimmte Substanzen ausgasen, die für Ziervögel und andere Kleintiere giftig sind und innerhalb weniger Minuten zum Tode führen können. Es hat außerdem schon Todesfälle unter Ziervögeln gegeben, die Dämpfe von Backofenreinigern eingeatmet haben. Werden diese Reinigungsmittel unsachgemäß angewendet und der Ofen vor der nächsten Nutzung nicht ausreichend ausgewaschen, könnten beim Erhitzen giftige Dämpfe entstehen. Sie sind für das Auge unsichtbar und nicht in allen Fällen mit einem starken Geruch verbunden.

Besonders heimtückisch ist, dass sowohl diese Dämpfe als auch die aus überhitztem, anti-haftbeschichtetem Kochgeschirr durch die geöffnete Küchentür in andere Räume gelangen können. Selbst dann, wenn Vögel gerade keinen Freiflug haben und sich in einem anderen Zimmer befinden, kann demnach von solchen Ausdünstungen eine Gefährdung ausgehen. Vogelhalter sollten deshalb die Küchentür geschlossen halten und das Fenster öffnen, wenn sie Kochgeschirr mit Anti-Haftbeschichtung bei sehr hohen Temperaturen nutzen, ihren Backofen nach der Anwendung eines Reinungssprays erstmals wieder betreiben oder scharfe Gewürze verwenden.

 

Gefährlicher Schaum

Spülmaschinen sind zwar weit verbreitet, doch in manchen Haushalten wird dennoch regelmäßig von Hand gespült. Der Schaum auf dem Spülwasser sieht für neugierige Ziervögel, die in der Küche umher fliegen, wie eine feste Oberfläche aus. Wollen sie darauf landen, sinken sie in das oftmals heiße Spülwasser ein und verbrühen sich. Auch kaltes Wasser  stellt es eine große Gefahr dar, weil die Vögel sofort tief einsinken und binnen weniger Augenblicke ertrinken.

Hält man Ziervögel wie zum Beispiel Nymphen-  oder Wellensittiche, ist vor den neugierigen Schnäbeln kaum etwas sicher. Da kann es dann auch durchaus geschehen, dass in der Küche aufbewahrte Flaschen von Reinigungsmitteln am Deckel angeknabbert werden. Haften Flüssigkeitsreste an ihnen – das gilt auch für eingetrocknete Reste – , kann das Verschlucken zu einer Vergiftung oder Verätzung der Schleimhäute führen.

Weitere Gefahren in der Küche

Liegen Messer offen herum und spielen die Vögel damit, können sie sich im ungünstigsten Fall daran schneiden – man würde ja auch keine kleinen Kinder in der Küche spielen lassen, wenn dort scharfe Messer liegen.

Wer nun denkt, dass er an all diese Gefahren gedacht und sie beseitigt hat oder die Vögel eben nur dann in der Küche fliegen lässt, wenn nicht gekocht wird und die Herdplatten abgekühlt sind, dem könnte trotzdem noch etwas entgangen sein: Die Weibchen vieler höhlenbrütender Vogelarten, wie etwa Wellensittiche, suchen gern nach möglichen Nistplätzen. Deshalb wecken aufrecht stehende Küchenrollen oft ihr Interesse. Sie landen oben und stecken den Kopf in die hohle Röhre. Während sie diesen vermeintlichen Nistplatz näher inspizieren, könnte die Rolle umstürzen und mit dem halb darin steckenden Vogel zu Boden fallen. Bei solchen Unfällen kann es zu Knochenbrüchen oder im ungünstigsten Fall zu einem Genickbruch kommen.

Die genannten Beispiele zeigen, dass Ziervögel in einer Küche nicht gut aufgehoben sind – vor allem nicht beim Freiflug. Dieser sollte lieber in einem abgesicherten Zimmer und unter Aufsicht stattfinden, damit die gefiederten Mitbewohner nicht in Gefahr geraten.


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