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Katzen 01.02.2018

Der persönliche Drink

Katzen teilen eine ungesunde Eigenschaft mit Workaholics, Bibliothekaren und Schwiegermüttern – sie trinken zu wenig. Das lässt sich ändern, sobald man begriffen hat, wie individuell ihre Vorlieben in der Darreichung sind.

von Oliver Uschmann & Sylvia Witt

Viele verorten die freiwillige Domestizierung der Katze immer noch im alten Ägypten. Dabei gesellten sich die ersten Wildkatzen nach neuesten Studien schon vor rund 10.000 Jahren zu den Menschen. Im fruchtbaren Halbmond  von Israel über Syrien bis zur Golfküste schlichen sich die Tiere in die Siedlungen, um das Büffet aufzusuchen. Da die Vorräte an industriell gefertigtem Trockenfutter zwischen Euphrat und Tigris knapp waren, gewöhnten sich die Tiere an eine natürliche Ernährung aus lebendig gefangenen Mäusen (80 Prozent Wasseranteil) und frischen Speiseresten. Als ehemalige Bewohner trockener Regionen ist die Katze somit evolutionär darauf geeicht, nur wenig zu trinken und ihren Flüssigkeitshaushalt vor allem über die Nahrung zu decken. Feuchtfutter sollte daher selbstverständlich sein. Dennoch ist es von Vorteil, dass die Katzen darüber hinaus Wasser zu sich nehmen, um die Nieren zu spülen und der Bildung von Harnsteinen vorzubeugen. Wohlbekannt ist hier der Rat, das Wasser niemals neben dem Futter und selbstredend nicht in der Nähe der Toilette anzubieten. Weniger verbreitet ist die Erkenntnis, wie unfassbar individuell die Katzen bei ihren Vorlieben sind, was Zustand und Darreichungsform des Wassers angeht.

 

Zwei Aspekte gelten fälschlicherweise als gewiss. Erstens: Katzen mögen fließendes Wasser mehr als stehendes. Zweitens: Katzen bevorzugen frisches Nass. Beides gilt nur für manche Tiere. Allein in unserer Katzenbiografie ließ sich bereits mehrfach das genaue Gegenteil beobachten. Unvergesslich bleibt uns das Bild, wie unsere (leider schon vor Jahren verstorbene) Katzendame Gobi, den Popo hoch in der Luft und die Vorderläufe fast zum Spagat gespreizt, auf dem Rande eines breiten Pflanzgefäßes balancierte, um das Wasser aus dem darin befindlichen Schneckenbecken zu schlürfen. Wir hatten diesen, mit diversen Pflanzen ausgestatteten Indoor-Teich anlegen müssen, um Posthornschnecken langsam an das Wasserklima unseres Außenteiches zu gewöhnen. Gartenteiche wiederum sind ganz grundsätzlich für einige Katzen zigtausend Liter fassende Lieblingstrinknäpfe – während die andere Hälfte klares Wasser aus dem Schälchen bevorzugt. Ähnlich sieht die Verteilung beim Thema „Fließen“ oder „Stehen“ aus. Manche trinken grundsätzlich nur an einem fadendünnen Rinnsal aus dem Wasserhahn. Die Stärke dieses kristallenen Kunstwerks auf den Millimeter genau einzustellen, ist eine Kunst, die der Mensch unter den strengen Augen der Katze nur langsam erlernt. Die Betonung liegt hier auf Katze. Die männlichen Exemplare der Felidae wiederum erweisen sich häufig hier und da als echte Ferkel. Ob Gießkanne, Staunass oder einweichender Kochtopf – ihnen kann der Drink gar nicht dreckig genug sein.

Sollte Ihre Katze also deutlich zu wenig trinken, beharren Sie nicht auf einer
Darreichungsform, sondern experimentieren Sie solange, bis Sie die eine Trinkmethode gefunden haben, die Ihrer Katze am liebsten ist. Sollte sich dabei herausstellen, dass sie es tatsächlich nur fließend mag, können Sie natürlich nicht den ganzen Tag lang einen Wasserhahn laufen lassen. Hier empfiehlt sich die Anschaffung eines Trinkbrunnens, in dem das Wasser mittels einer kleinen Pumpe im Kreislauf fließt. Doch Vorsicht! Manche dieser Modelle haben einen penetranten Geräuschpegel, der Ihnen den letzten Nerv rauben und sensible Katzen abschrecken kann. Lesen Sie daher beim Kauf die Kundenrezensionen genau. Am tauglichsten sind meistens Geräte aus Keramik. Das Klirren, das aber auch sie zwischen Ober- und Unterteil erzeugen können, lässt sich unterbinden, indem man den schmalen Zwischenraum behutsam mit Küchenpapier polstert. Nehmen Sie so einen Brunnen in Betrieb, müssen Sie sich außerdem auf arbeitsintensive Pflege einstellen. Der Kalk auf der geriffelten Fläche, über die der kleine Wasserlauf fließt, lässt sich mit einem Kupferschwamm entfernen. Den Gummischlauch von Pumpe zu Öffnung sollten Sie regelmäßig mit heißem Wasser und einer schmalen Rundbürste reinigen, da sich in ihm sonst Bakterien ansiedeln.

Ist ihre Katze kein Fan fließenden Wassers, verweigert aber dennoch das kühle Nass aus dem Napf, halten Sie in den Tierfutterabteilungen Ausschau nach Katzensuppen oder Katzenbouillons. Einige Hersteller haben mit Produktlinien auf das Trinkproblem reagiert, bei denen Ihnen aus der Tüte keine Stückchen mit Soße oder Gelee, sondern tatsächlich die Katzenvariante einer klaren Hochzeitssuppe mit Fleischeinlage entgegenkommt.     

Alles in allem brauchen Sie ohnehin keine Panik zu haben: Eine durchschnittlich schwere Katze benötigt nur rund 50 Milliliter Flüssigkeit pro Kilo pro Tag. Eine 5-Kilo-Katze, die 250 Gramm Feuchtfutter mit 80% Wassergehalt verspeist, hat also bereits beim Essen vier Fünftel ihres Bedarfs gedeckt. War eine Hochzeitssuppe mit Hühnchen dazwischen, braucht sie fast gar nichts mehr trinken. Den Rest schlürft sie dann schon aus dem Teich, einem alten Topf oder dem Schneckenbecken … und Sie müssen nur noch darauf achten, dass letzteres ohne lebendige Fleischeinlage geschieht.  


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