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Tiere im Beruf, Facetten 05.05.2013

Kirsten Tackmann mit ihrem Hund Sammy (Foto: privat)

"Hund Sammy ist ein perfekter Türöffner"

zza trifft Kirsten Tackmann, MdB

zza: Welches Heimtier haben Sie?

Kirsten Tackmann: Seit unsere beiden Kinder zum Studium gegangen sind, haben wir nur noch einen Hund, den Mini Australian Shepherd Sammy, und ein großes Aquarium. Vorher hatten wir auch noch Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Ziegensittiche.

Wieso haben Sie sich gerade für diese Tiere entschieden?

Hunde haben mich schon immer fasziniert. Man lernt im Zusammenleben mit Hunden Verantwortung zu übernehmen, Geduld, Konsequenz und Empathie. Die Spaziergänge sind Naturgenuss, Entschleunigung und Erdung pur. Da ich als Kind keinen Hund haben konnte, kümmerte ich mich um Hunde aus der Nachbarschaft. Viel später kam ein Airedale-Terrier-Welpe in die Familie und ich habe mich intensiv ehrenamtlich in der Rettungshundeausbildung engagiert. So konnte ich mein eigenes Vergnügen und Interesse mit der Hilfe für in Not geratene Menschen verbinden. Mit meinem eigenen Hund Ilja habe ich mehrfach erfolgreich Prüfungen zur Suche nach Vermissten unter Trümmern abgelegt. Mit Übernahme des Bundestagsmandats konnte ich dieses Hobby aus Zeitgründen leider nicht fortsetzen, ich unterstütze die Rettungshunde-Staffel in Wittstock aber jedes Jahr durch die Weitergabe der monatlichen Summe der Diätenerhöhungen seit 2005. Sammy ist nun ein reiner Familienhund, der uns aber als Begleiter auf Trab hält und tagaus tagein gute Laune verbreitet.

Wie sind Sie zu Ihren Tieren gekommen?

Ich hatte mich noch während meiner Rettungshunde-Zeit mit der Rasse Australian Shepherd beschäftigt und auch schon Züchterinnen besucht, um mich über praktische Erfahrungen mit diesen Hunden zu informieren. Als unser Airedale-Terrier Ilja mit 14 Jahren gestorben war, machten wir zunächst eine mehrmonatige Pause vom Leben mit einem Hund. Im Internet fand mein Mann dann die Information, dass eine der Züchterinnen ganz in der Nähe, die wir schon mal besucht hatten, einen Wurf Mini Australian Shepherds vermeldete. Wir fuhren hin, eigentlich nur mal so zum "anschauen", waren uns dann aber schnell einig, die hundelose Phase in der Familie zu beenden. Da die Welpen erst einige Tage alt waren, sind wir noch mehrere Male hingefahren, um sie kennenzulernen und ihre Entwicklung zu verfolgen, bevor dann Sammy mit neun Wochen bei uns zu Hause einzog.

Und warum haben Sie Ihr Tier? Und hatten Sie schon als Kind ein Tier?

Als Kind hatte ich Wellensittiche, Schildkröten, Hamster und Fische. Tiere haben immer zu meinem Leben gehört. Verantwortung zu übernehmen, eigene Bedürfnisse auch mal hintenanzustellen, Mitgefühl und Freude ist etwas, was man mit Tieren sehr gut erfahren und lernen kann. Tiere haben keine Vorurteile, deshalb kann man unbefangen mit ihnen kommunizieren, gleichzeitig muss man sich auf ihre Sprache einlassen, wenn die Verbindung hergestellt werden soll. Bei Tieren kann man nicht nur Signale senden, sondern muss solche auch empfangen und verstehen lernen. Die Erfahrung, die man dabei erwirbt, hilft mir auch in der Politik oft weiter.

Tiere gehen nicht wählen. Unterstützen Ihre Tiere Ihre politische Arbeit dennoch?

Sammy ist häufig bei meinen politischen Wegen über das Land dabei. In seinem Beisein werde ich noch öfter angesprochen als ohne ihn. Insofern ist er ein perfekter Türöffner. Ich glaube auch, dass eine Politikerin mit einem freundlichen, aber gut erzogenen Hund durchaus ein vertrauensförderndes Signal und Zeichen von Bodenständigkeit für Wählerinnen und Wähler ist. Außerdem bewegt man sich mehr mit einem Hund und ein Hundespaziergang ist eine sehr gute Gelegenheit zum Nachdenken - und auch das ist ja eine Unterstützung meiner politischen Arbeit.

Sollten Tiere in unserer Gesellschaft in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Unbedingt. Allerdings nicht im Sinne von "mehr Tiere in Menschenobhut", sondern von verantwortlicherem Umgang mit Tieren. Ich bin davon überzeugt, dass eine humane und solidarische Gesellschaft auch eine tierfreundliche Gesellschaft ist, in der auch das Zusammenleben mit Tieren selbstverständlich dazu gehört, wenn Mindestbedingungen für ihre Betreuung gewährleistet werden können und das Tierwohl gesichert ist (Zeit, Raum, Fachwissen). Der Umgang mit Tieren ist also durchaus ein Gradmesser für den Zustand der Gesellschaft. Das gilt aus meiner Sicht nicht nur für Heim- und Haus-, sondern auch für Nutz- und Wildtiere. Übrigens auch in dem Sinne, dass ein Leben mit Tieren und Tierbesitz nicht Eliten vorbehalten sein darf. Aber Grundlage für das Zusammenleben mit Tieren darf nicht eigensüchtiger Defizitersatz oder Gewinnstreben zum Nachteil der Tiere sein. Tiersammelei, ob mit Messie-Hintergrund oder Import bedrohter Arten, dürfen ebenso wenig toleriert werden wie z.B. anonymer Handel mit Welpen u.a. Das Tierwohl muss in den Mittelpunkt der Debatte gestellt werden. Allerdings ohne vermenschlichte Bewertungskriterien. Das friedliche Zusammenleben mit Tieren in der Gesellschaft verlangt außerdem gleichzeitig sowohl Verantwortungsübernahme, z.B. für das friedliche Verhalten von Hunden und selbstverständlich die Beseitigung ihrer Hinterlassenschaften, als auch Toleranz gegenüber "störenden" Begleiterscheinungen, z.B. gelegentliches Bellen, Krähen etc.

Welche Tiere faszinieren Sie neben Ihrem eigenen am meisten?

Das ist schwer zu beantworten, weil ich sehr viele Tiere kenne und liebe. Mit den richtigen Haltungsbedingungen faszinieren mich fast alle. Aber ein paar Favoriten habe ich natürlich trotzdem. Bei den Heimtieren sind das Norwegische Waldkatzen oder Graupapageien und Beos, die die menschliche Stimme so faszinierend nachahmen können. Bei den Nutztieren haben Esel eine gewisse Favoritenstellung. Wildtiere faszinieren mich vor allem, wenn ich sie in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Oder wenn die menschliche Obhut ihre Arterhaltung nachweislich unterstützt und sichert. Wildfänge dafür müssen allerdings auf wenige Ausnahmesituationen beschränkt werden, wie z.B. die verheerende Pilzerkrankung von Fröschen in Mittelamerika.

Quelle: zza 5/2013


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