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Tiere im Beruf 05.02.2013

Tierarzterfahrung hilft bei politischer Arbeit

zza trifft Hans-Michael Goldmann, MdB

zza: Herr Goldmann, Sie haben ein Heimtier, welches?

Hans-Michael Goldmann: Ein Haustier haben ist eine ein bisschen zu optimistische Feststellung. Zu meinem Grundstück gehört eine gewerbliche Brachfläche, mit Restbebauung, die gerne Katzenheimat ist. Eine dieser Katzen zeigte eine angehende Vertraulichkeit, die von mir durch Anfütterung vertieft wird. Wenn man so will, ist also die Katze, Fietje II genannt, auf dem Weg zum Haustier.

Wieso haben Sie sich gerade für dieses Tier entschieden?

Ich meine, dass sich das Tier ein bisschen für mich entschieden hat. Vielleicht weiß sie allerdings auch nicht, dass Fietje Kastration und Chipkennzeichnung noch bevorstehen.

Wie sind Sie zu Ihrem Tier gekommen?

Da ich gelernter Tierarzt bin, mein Vater war es auch, mag ich Tiere sehr gerne und habe deren Lebensbegleitung genossen. Wenn man gegenüber Tieren fürsorglich ist, danken Tiere das dem Menschen sehr. Aber es geht mir nicht nur um meine persönliche Mensch-Tier-Beziehung, sondern um Tiere in der freien Wildbahn. Auch in unserer heimischen Natur sind mir unsere Mitgeshöpfe als Haus- und Heimtiere wichtig. Gespräche mit Tierhaltern sind eine große Bereicherung für mich.

Und warum haben Sie ein Tier? Und hatten Sie schon als Kind ein Tier?

Durch mein Elternhaus waren Tiere immer Bestandteil unse- res Familienlebens, das gilt bis heute. Mein Vater hatte Boxer, meine Frau "liebte mich und Fietje I", unsere Kinder hatten das berühmte Kaninchen, das dann allerdings von mir und meiner Frau versorgt wurde. Und für unsere Tochter Anna war der Wallach Bimbo ganz wichtiger Jugend- und Erwachsenenbegleiter. Eine ganz besondere Rolle nahm das Meerschweinchen Mucki in meiner Kindheit ein. Mucki lebte mit uns im Wohnzimmer, nur manchmal durch einen großzügigen "Stall" eingeschränkt. Unter uns drei Geschwistern war die Hierarchie klar: Vor der Bruderliebe stand die Mucki-Liebe. Allmorgendlich begrüßte uns Mucki mit "muck muck muck". Er starb an Altersschwäche und wurde liebevoll beerdigt.

Tiere gehen nicht wählen. Unterstützt Ihr Tier Ihre politische Arbeit dennoch?

Selbstverständlich münden die Begegnungen mit Tieren in meine politische Arbeit ein. Dies gilt für den kommunalen Bereich, wie auch für die Bundesebene und Eu- ropaebene. Tierheimförderungen und -besuche sind für mich selbstverständlich, die Haltungsbedingungen für Heim- und Nutztiere Auftrag und beobachtende Zoo- und Zirkusbesuche Interessenbestandteil. Natürlich kann ich meine Tierarzterfahrungen, aber auch allgemeine Alltagkenntnisse gut in meine Aufgabe als Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und tierschutzpolitischer Sprecher meiner Fraktion einbinden, was sehr viel Freude macht.

Sollten Tiere in unserer Gesellschaft in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Wir müssen sicherlich weiter daran arbeiten, das Tierbewusstsein in unserer Gesellschaft zu vertiefen. Durch die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz, durch das Tierschutzgesetz und andere gesetzliche Vorgaben bringen wir zum Ausdruck, dass Tiere uns wichtig sind. Sicherlich müssen wir bei der Nutztierhaltung Verbesserungen erkämpfen, aber auch die Heimtierhalter müssen tierorientierter handeln. Die Tiererforschung muss deutlich intensiviert werden und die Erkenntnisse aus dieser Arbeit zu den Tierhaltern transportiert werden. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Vereinzelung in Teilen unserer Gesellschaft werden Tiere eine noch größere Rolle spielen. Dabei ist mir besonders wichtig, dass das Tier durch sich selbst Wert hat. Tiere haben einen Wert und keinen Preis.

Welche Tiere faszinieren Sie neben Ihrem eigenen am meisten?

Da gibt es bei mir eigentlich keine Ausschlussgründe für irgendein Tier. Aber die ganz großen Überlebenskünstler, wie z. B. Wale und die ganz kleinen, wie Ameisen sind immer besonders faszinierend. Meine besondere Sympathie gilt den Spatzen.

Quelle: zza 2/2013