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Tiere im Beruf 05.08.2013

Was macht eigentlich ein Hundephysiotherapeut?

Besuch im Therapiezentrum Wosslick

Sabine und Jochen Woßlick arbeiten seit 1996 in der Hundephysiotherapie. In dieser Zeit haben sie ihr Behandlungssystem "Hundekrankengymnastik nach Wosslick" entwickelt und schützen lassen. In Linkenheim bei Karlsruhe betreiben die beiden ein Zentrum, in dem sowohl Tiere behandelt als auch Therapeuten ausgebildet werden.

Sabine und Jochen Woßlick sind examinierte und erfahrene Physiotherapeuten, die sich durch zahlreiche Zusatzqualifikationen auf Hundephysiotherapie spezialisiert haben. "Als wir vor 17 Jahren damit angefangen haben, hat es in Deutschland nichts Adäquates gegeben", erinnert sich Jochen Woßlick, der eine hervorragende Übertragungsleistung auf das hündische Skelett- und Muskelsystem erkannte und daraus eine einzigartige Behandlungsmethode entwickelt hat. Hundephysiotherapie dient der Prävention und Rehabilitation der Funktionalität des Hundes. Ein besonderes Augenmerk richtet Woßlick auf die Schmerzbehandlung, schließlich soll eine Normalität des Bewegungsablaufes wiederhergestellt werden. "Durch Kontinuität erhalten wir meist eine deutliche Verbesserung des Problems", hebt Woßlick hervor, bzw. bei sehr alten Hunden werde die Lebensqualität durch regelmäßige Anwen- dungen enorm verbessert. Das Behandlungsspektrum reicht von Massagen, manuellen Techniken, über passive Bewegungen und Dehnungen bis hin zu Elektrotherapie, Unterwassertherapie sowie Wärme- und Kältebehandlungen. Dabei zeigt der Therapeut dem Halter auch stets Übungen oder Griffe für zu Hause.

Modernes Therapiezentrum

Rund 300 qm groß ist das im Jahr 2000 gebaute und mit modernen Geräten ausgestattete Therapiezentrum. Im Erdgeschoss befinden sich drei funktionale, mit liebevollen Details eingerichtete Therapie- und Behandlungsräume. Zwei Spezialräume - mit den Namen "Delphi-Dog" und "nasser Pudel" sind für die Hydrotherapie vorgesehen und verfügen über Unterwasserlaufband, Unterwassermassage und temperierten Indoorpool. Im Obergeschoss befindet sich ein großer Seminarraum. Die Praxis wird heute von zwei Hundephysiotherapeutinnen geführt, die bei Woßlicks ihre Ausbildung absolviert haben. Sabine und Jochen Woßlick springen zwar bei akuten oder dringenden Fällen mit ein, in der Regel konzentrieren sie sich jedoch auf die Organisation und Durchführung der Ausbildung. "Die meisten Patienten finden uns übers Internet oder kommen auf Grund von Mund-zu-Mund-Propaganda. Oftmals haben Halter und Tier schon eine Menge ausprobiert ehe sie bei uns landen", erklärt Jochen Woßlick. Die Beschwerden sind ganz unterschiedlich - manche Hunde leiden unter zuchtbedingten Problemen wie Hüftdysplasie oder Patellaluxation, andere Tiere sind nach Operationen eingeschränkt, andere wiederum weisen klassische Verschleißerscheinungen auf. Hinzu kommt leider, dass fast jeder zweite Hund übergewichtig ist - ein Hauptproblem und für die Gelenke alles andere als förderlich. "Natürlich sprechen wir solche Auffälligkeiten an und empfehlen therapiebegleitend auch spezielle Produkte, die im Zoofachhandel erhältlich sind, wie zum Beispiel Futterzellulose oder Grünlippmuschelpulver", so Woßlick weiter. Je nach Ausgangslage dauert eine Therapie unterschiedlich lange: Bei manchen Beschwerden reicht eine Zehnerkarte, andere Halter kommen fortwährend regelmäßig ein bis zweimal die Woche. "Schnell, also mit zwei bis drei Anwendungen ist es auf keinen Fall getan", betont Woßlick. Dafür erkennen die Halter meist schnell die positiven Effekte, sehen eine Verbesserung oder sogar Genesung und sind dann mit der Therapie zufrieden.

Wissen weitergeben

Dass sie damit eine nicht uninteressante Marktlücke schließen, haben Sabine und Jochen Woßlick frühzeitig erkannt. Deshalb entschieden sie sich, ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz weiterzugeben. Die von ihnen konzipierte Ausbildung zum Hundephysiotherapeuten/Hundekrankengymnast mit Zulassung als staatlich zugelassenes Fernstudium bieten sie viermal pro Jahr an und in der Regel sind die Kurse ausgebucht. Die Ausbildung unterteilt sich in sechs praktisch-theoretische Kursblöcke, die im Linkenheimer Zentrum stattfinden, sowie in das Fernstudium, das zwischen den Kursblöcken liegt. Praxisorientierte Dozenten vermitteln die Themenbereiche Anatomie, Physiologie, Pathologie/Krankheitslehre, Hundeverhalten, Physiotherapie und flankierende Maßnahmen anschaulich. Der theoretisch-praktische Unterricht findet in kleinen Lerngruppen statt und zum Üben dürfen eigene Hunde mitgebracht werden. Dabei werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie Gangbildanalyse, Palpation von Muskel- und Knochenstrukturen, neurologische Behandlungstechniken sowie Interferenzstromtherapie, TENS und Ultraschall eingeübt. Am Ende der Ausbildung legt jeder Absolvent eine institutsinterne Prüfung in Theorie und Praxis ab. Nach bestandener Prüfung erhält der Absolvent ein patentrechtlich geschütztes Zertifikat und die Möglichkeit, sich in eigner Praxis niederzulassen oder in tierärztlichen Kliniken, Praxen zu arbeiten. Mit zusätzlichen Tageskursen, darunter auch zum Marketing, können sich die Hundephysiotherapeuten außerdem weiterqualifizieren. "Die Ausbildung eignet sich sehr für tieraffine Menschen, die vielleicht schon mit Hunden arbeiten, wie z.B. Heimtierpfleger, Hundetrainer etc. und bietet eine gute Zukunftsperspektive", betont Woßlick, "und nach eigenen Erfahrungen steigt der Bedarf an Hundephysiotherapeuten weiter an." (sg)

(Quelle: ZZA 08/2013)


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