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Kolumne 04.07.2017

Kurioses aus dem Tierarzt-Alltag: Die Tierarzt-Kosten

Die meisten Tierhalter sind oftmals bereit, für ihre Lieblinge enorme finanzielle Mittel einzusetzen. Man denke da an den Hüftgelenksersatz bei älteren Hunden, der einseitig etwa rund eineinhalb Tausend Euro kostet. Für einen halben Tausender bekommt der alte Hund eine Kunststofflinse, damit er auch bei seinem Altersstar wieder sehen kann. Auch Operationen bei Kleintieren sind üblich. Doch es gibt Unterschiede – wie der Alltag aus der Praxis zeigt

In Gevelsberg in Westfalen erschien ein würdiger Herr mit einem Zwergpudel auf dem Arm in der Praxis. Es war ein Fabrikant, der mit Mercedes und Chauffeur vorgefahren war. Also offenbar kein armer Bürger.

„Herr Doktor, retten Sie diese Hündin! Sie ist der Lebensinhalt meiner Frau, sie hängt an ihr wie an einem Kind. In letzter Zeit ist sie so lustlos, hat auch mehrfach erbrochen. Was mag sie nur haben, hoffentlich nichts Schlimmes? Tun Sie alles, was möglich ist!“

Es handelte sich um eine sechsjährige Hündin, die nie Welpen gehabt hatte. Da lag der Verdacht auf eine Gebärmutterentzündung (Pyometra) nahe. Das bestätigte sich und ich teilte dem Herren die Diagnose mit.

„Und was kann man da machen?“ – „Die vereiterte Gebärmutter muss operativ herausgenommen werden. Das ist zwar nicht ganz risikolos, doch immerhin tierärztliche Routine.“ – „Was wird das denn kosten?“ – „Na, das Honorar liegt so zwischen 150 bis 300 Euro.“
Der Fabrikant erbleichte sichtlich. „Oh, unter diesen Umständen muss ich das noch Mal mit meiner Frau besprechen!“

Am gleichen Tage wurde ich zu einem kranken Hund gerufen. Es war ein prächtiger Langhaardackel, der in einem Häuschen etwas außerhalb lebte. Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, offenbar Rentner, waren damit beschäftigt Fußabtreter zu flechten. Der Dackel hatte eine Bagatelle, die schnell behoben war.

Anschließend fragten sie mich: „Herr Doktor, wie ist das mit Impfungen? Wir haben ihn ein Jahr nicht impfen lassen.“

Meine Antwort: „Mit den Impfungen, die ja recht teuer sind, können Sie sich noch etwas Zeit lassen. Ihr Haus liegt außerhalb, da ist die Infektionsgefahr gering.“
Die Antwort kam prompt und scharf: „Wir haben Sie nur nach der Notwendigkeit einer Impfung gefragt, nicht nach den Kosten. Wir beziehen beide Rente, das Mattenflechten ist mehr ein Hobby!“

Ja, so verschieden ist die finanziell orientierte Tierliebe. Ich hatte wieder etwas dazu gelernt!


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