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Kolumne 26.10.2015
Papagei Gelbstirnamazone

Eifersüchtiger Papagei

Über diese Anfrage bei meiner Sendung im Radio wurde noch lange diskutiert. Eine Frau rief in meiner Sprechstunde an und konnte vor Schluchzen zunächst nicht sprechen. Es ging irgendwie um ihren Papagei.

Vorsichtig frage ich: „Ist Ihr Vogel denn krank?“ – „Nein, kerngesund!“ Und wieder ein Tränenausbruch, der nicht zu stoppen war. „Wie kann ich Ihnen oder dem Papagei denn helfen?“

Ganz langsam, immer wieder von Tränenfluten unterbrochen, kam das Drama heraus. Es handelte sich um eine Gelbstirnamazone, ein mittelgroßer südamerikanischer Papagei. Er lebte in der Wohnung der Anruferin und hatte dort Freiflug. Er hing an ihr, nahm Bissen von ihren Lippen, saß meistens auf ihrer Schulter und ließ sich gern streicheln.

Alles rund um die Haltung von Vögeln auch in unserem Ratgeber zu Ziervögeln

Dieses Idyll endete aber jeden Tag gegen 17 Uhr. Dann kam ihr Mann von der Arbeit heim. Sofort änderte sich das Verhalten ihres gefiederten Lieblings. Der Papagei flog wütend Angriffe gegen den Mann, attackierte aber auch die Frau. Er biss schmerzhaft zu und krallte sich an der Kleidung fest.

Nach kurzem Überlegen bot ich ihr drei Lösungsmöglichkeiten an:

1.    1. Den Papagei abschaffen!
Nein, das war undenkbar, ihr Weinen ging in hysterisches Kreischen über.

2. Sich von ihrem Mann trennen!
Schon wesentlich ruhiger meinte sie bedächtig, das wolle sie nun doch lieber nicht.

3. Jeden Tag, wenn Ihr Mann nach Hause kommt, den Papagei in ein anderes Zimmer verfrachten und ihn dort versorgen, bis der Mann wieder weg ist.
Dieser Vorschlag wurde zögernd akzeptiert.

Ganz klar, es handelte sich um einen Fall von Eifersucht bei einem menschengeprägten Vogel. Das ist nicht einmal selten und fast die Regel bei handaufgezogenen Vögeln. Diese geselligen Tiere betrachten dann den Menschen mangels Artgenossen als ihresgleichen. Also mit allen Konsequenzen. Sie erwarten Eiersegen und gefiederten Nachwuchs. Das ist unnatürlich und ein Argument gegen die Handaufzucht.

Übrigens, ganz nebenbei. In den USA machte man eine Umfrage unter verheirateten Reiterinnen mit eigenem Pferd. „Würden Sie sich im Ernstfall lieber von Ihrem Pferd oder Ihrem Mann trennen?“

Stolze 20 Prozent hätten sich für das Pferd entschieden. Argument: Einen Mann kann man immer wieder relativ leicht bekommen, doch ein zugerittenes und brauchbares Pferd kaum!


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