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Kolumne 28.07.2017

Behandlung im TV: Zahnsteinentfernung mit Folgen

Zahnsteinbefall gehört bei Hunden zu den häufigsten Gründen, weshalb der Tierarzt aufgesucht werden muss. Für die Beseitigung ist keine besondere Expertise  erforderlich, das beherrscht jeder Kollege. Weil der Zahnstein so häufig vorkommt, machte ich ihn zu einem Thema in meiner damaligen Sendung.

Wie üblich hatte ich meine Wünsche beim Requisiteur angemeldet: Ich hätte gern einen Hund mit richtig dicken Zahnsteinkrusten, die ich dann vor der Kamera entfernen kann.  Als ich im Studio eintraf, präsentierte man mir einen etwas älteren Spitz aus dem Tierheim. Es handelte sich um ein armes, offenbar häufig geprügeltes Geschöpf, völlig vernachlässigt mit einem verkrusteten und übel riechenden Gebiss.

Zur Vorbereitung legte ich ihn auf einem Tisch und entfernte ihm einseitig den hässlichen Zahnstein, was er zitternd mit sich geschehen ließ, es war ja auch nicht schmerzhaft, nur unangenehm. Und dann begann die Sendung. In einem lockeren Gespräch besprachen der Moderator und ich Zahnprobleme beim Hund.

Zur Demonstration zog ich dann den Hund herbei, fasste ihn sanft um die Schnauze, zog die Lefzen nach oben und präsentierte die verkruste Gebisshälfte als Großaufnahme in die Kamera. Der arme Hund dachte in seiner Angst, es ginge wieder mit dem Kratzen los und biss dreimal in meine Hand. Das Blut sprudelte sofort munter und färbte den weißen Spitz effektvoll rot ein.
Wer war schuld? Natürlich ich! In Nervosität hatte ich alle professionelle Vorsicht außer Acht gelassen und weder Schutzhandschuhe angezogen, noch den Hund entsprechend fixiert. Glücklicherweise war es eine Aufzeichnung. Wie beim Fernsehen nicht unüblich, wurde das Drama noch ein paar Sekunden weiter aufgezeichnet, dann brach man ab.

Mir wurde reichlich schwummrig, dann sank ich dramatisch auf den Studioboden und wurde ohnmächtig. Als ich wieder die Augen aufschlug, verkündete der Aufnahmeleiter: „Ja, Rolf, das ist ja sehr bedauerlich, es tut uns leid, wir müssen die Aufzeichnung aber zu Ende führen.“ Also wurde dem immer noch zitternden Hund mein Blut abgewaschen und mir ein Notverband angelegt. Weil ich reichlich blass aussah, erschien der Maskenbildner und legte mir noch kräftig Make-up auf.

Wir brachten die Sendung zu einem guten Ende, wenn meine Stimme auch etwas zittrig klang. Mit gewisser Vorsicht präsentierte ich die blitzende Zahnreihe des Demo-Hundes – „So sieht es aus, wenn der Tierarzt den Zahnstein entfernt hat!“

Weil der Hund seine Zähne vor dem Biss nicht geputzt hatte, bekam ich hinterher noch eine saftige Blutvergiftung, die ich aber mit reichlich Antibiotika überstand.


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